II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012
     

                                        Foto: Lilly Grote                                      Still: ABFALLPRODUKTE DER LIEBE

 

Elfi Mikesch  Fotografin, Kamerafrau, Regisseurin, Lehrtätigkeit

 

Geb. 31. Mai 1940 in Judenburg, Österreich, als Tochter eines Filmvorführers. Ausbildung zur Fotografin und Beginn der Malerei. Ende der 1950er Jahre Umzug nach Innsbruck, wo sie den

Maler Fritz Mikesch kennenlernt. 1960 Eheschließung und 1963 Umzug nach Frankfurt am Main.

Dort begegnet sie dem Filmemacher Rosa von Praunheim, mit dem sie später vielfach zusammenarbeitet.
1965 zieht das Paar nach West-Berlin, wo Elfi Mikesch im Verlag V. Magdalinski arbeitet und sich

u.a. an einer mehrteiligen Publikation ihres Mannes beteiligt. Unter dem Pseudonym ´Oh Muvie´ veröffentlicht sie 1969 zusammen mit Rosa von Praunheim die gleichnamige Berliner anarchistische Fotogeschichte. Neben ihrer Tätigkeit als Fotografin beginnt sie zu dieser Zeit auch erste Super-8-Filme zu drehen. 1970 realisiert sie mit ´Charisma´, nach Motiven der Erzählung ´The Mask of

the Red Death´ von E. A. Poe, ihren ersten langen Super-8-Film.

Gemeinsam mit Rosa von Praunheim und ihrem Mann Fritz geht sie 1971 auf Weltreise, auf der

unter von Praunheims Regie der Film ´Leidenschaften´ entsteht. Elfi Mikesch führt die Kamera

und zeichnet für die Kostüme und das Maskenbild verantwortlich; die Hauptrolle spielte Fritz Mikesch.

Seit 1976 Spiel- und Dokumentarfilme. Kamerafrau u.a. für Werner Schroeter, Rosa von Praunheim, Theresa Villaverde, Lilly Grote, Harald Bergmann und Monika Treut.
1977 produziert´sie die Dia-Show ´A Study of Mary´, eine Studie über die schottische Königin Maria Stuart. Das 22-minütige experimentelle Kunstprojekt besteht aus Standfotos und einer Dia-Serie,

die von Geräuschen, Musik und Sprachfetzen begleitet und kontrastiert werden. Im Jahr darauf entsteht mit ´Something Cool´ eine weitere Dia-Show. In diesen Jahren realisiert Mikesch außerdem mehrere Fotoserien, u.a. über und mit Rosa von Praunheim, Frank Ripploh und Bernd Broaderup, sowie Xerografie-Bücher, die im sie im Eigenverlag publiziert.
Von Juni 1978 bis April 1980 ist sie für die Umschlaggestaltung der Zeitschrift ´Frauen und Film´ verantwortlich, in der sie auch ihre Fotogeschichte ´flageolett´ über die Filmmacher Silke Grossmann und Heinz Emigholz veröffentlicht.
Für ihren Dokumentarfilm ´Ich denke oft an Hawaii´ erhält sie 1978 einen Deutschen Filmpreis:

für ihren Kurzfilm ´Execution: A Story of Mary´ (1980) den zweiten Deutschen Filmpreis. Im selben Jahr dreht sie ´Was soll"n wir denn machen ohne den Tod, einen hoch gelobten Dokumentarfilm

über zwei Frauen in einem Hamburger Altersheim. ´Macumba´ (1982) verknüpft eine experimentelle Filmsprache mit narrativen Spielfilm-Strukturen. 1983 realisiert Mikesch die kurzen Experimentalfilme ´Die blaue Distanz´ und ´Das Frühstück der Hyäne´. Bei Cynthia Beatts ´Böse zu sein ist auch ein Beweis von Gefühl´ und Rosa von Praunheims ´Horror Vacui´ führt sie die Kamera. Insbesondere

bei von Praunheims Film zeichnet sich ihr visueller Stil durch expressiv verkantete Blickwinkel aus.

Im folgenden Jahr zeichnet sie bei Werner Schroeters ´Der Rosenkönig´ für die Bildgestaltung verantwortlich.

Gründete 1984 mit Monika Treut die unabhängige Produktionsfirma Hyena Films. Gemeinsam mit Monika Treut entwickelt sie nach Motiven aus Sacher-Masochs Roman ´Venus im Pelz´ das Projekt ´Verführung: Die grausame Frau´, das 1983 jedoch zunächst ein Opfer der durch Bundesinnenminister Zimmermann verschärften Filmpolitik wird. Schließlich kann der Film mit Unterstützung der Filmbüros von Hamburg und Nordrhein-Westfalen realisiert werden. Auf der Berlinale 1985 feiert er im Internationalen Forum des jungen Films Premiere, wird von Publikum

und Kritik allerdings eher verhalten aufgenommen.

In den Jahren danach betätigt Elfi Mikesch sich in erster Linie als Kamerafrau, zumeist bei Dokumentarfilmen für Kino und Fernsehen. In dieser Funktion arbeitet sie häufig mit

Werner Schroeter (u.a. POUSSIÈRES D´AMOUR – ABFALLPRODUKTE DER LIEBE, 1996; ´Deux´, 2003) und Rosa von Praunheim (u.a.: ´Der Einstein des Sex´, 1999; ´Meine Mütter´, 2007; ´Rosas Höllenfahrt´, 2009) zusammen. Außerdem mit Monika Treut (u.a.: ´Female Misbehaviour´, 1992; ´Kriegerin des Lichts´, 2001; ´Den Tigerfrauen wachsen Flügel´, 2005) und Harald Bergmann

(u.a.: ´Passion Hölderlin´, 2004; ´Brinkmanns Zorn´, 2006).

Dreimal wurde sie im Lauf der Jahre mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet: 1986 für

´Der Rosenkönig´, 1992 für ´Malina´ und 2006 mit einem Ehrenpreis. 1990 Stipendium Villa Aurora.

Daneben realisiert Elfi Mikesch gleichwohl immer wieder eigene Regiearbeiten, meist in Personalunion auch als Autorin und Kamerafrau. So etwa die Dokumentationen ´Verrückt bleiben, verliebt bleiben´ (1997), über das wechselhafte Leben des Theatermanns Torsten Ricardo, oder ´Mon Paradis - Der Winterpalast´, über fünf ältere Menschen aus St. Petersburg, deren Leben auf wundersame Weise

in der Eremitage eine Schnittstelle findet. Oder aber den Spielfilm ´Hahnemanns Medizin´ (2006, TV), über Samuel Hahnemann (1755-1843), den Vorreiter der Homöopathie.

2011 legt Mikesch zwei Regiearbeiten vor: die Kinodokumentation ´Mondo Lux - Die Bilderwelten

des Werner Schroeter´ und das fürs Fernsehen realisierte Kleinstadtporträt ´Judenburg findet Stadt´.

 

Seit 1991 Mitglied der Akademie der Künste Berlin Künste, Sektion Film- und Medienkunst.
Seit 2011 Mitglied im Fachbereich Cinestyra Filmkunst / Kulturabteilung Land Steiermark.

 

Donnerstag 12. April 2012                                                                                              20.00 Uhr

 

ABFALLPRODUKTE DER LIEBE (D/F 1996)           

Buch, Regie: Werner Schroeter                                               in memoriam Werner Schroeter

Kamera: Elfi Mikesch

Montage: Juliane Lorenz

60 min.

In Anwesenheit von Elfi Mikesch (tbc) & Juliane Lorenz


 

Auszeichnungen und Preise

 

2011

Diagonale-Preis, Bildgestaltung für MONDO LUX

2010

Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis, zusammen mit Werner Schroeter

2006

Deutscher Kamerapreis: Verleihung der Ehrenkamera

1998

IFF Barcelona: Großer Preis des Festivals & Großer Dokumentarfilmpreis für ´Verrückt bleiben, verliebt bleiben´

1997

Minsk: Großer Dokumentarfilmpreis & Preis für die beste Regie für ´Verrückt bleiben, verliebt bleiben´

 

Internationales Dokumentarfilmfestival München: Lobende Erwähnung der Jury für ´Verrückt bleiben, verliebt bleiben´

 

3sat Dokumentarfilmpreis für ´Verrückt bleiben, verliebt bleiben´

1992Deutscher Kamerapreis für ´Malina´

1991

San Francisco International Lesbian & Gay Film Festival: Frameline Award für ´Macumba´

1990Stipendium Villa Aurora

1986

Deutscher Kamerapreis: Promotional Award für ´Der Rosenkönig´

1980

Deutscher Filmpreis: Filmband in Gold f ür ´Execution: A Story of Mary´

1978

Deutscher Filmpreis: Filmband in Silber für ´Ich denke oft an Hawaii´

 

Filmografie

2010/2011

Mondo Lux - Die Bilderwelten des Werner Schroeter
Regie, Drehbuch, Kamera

2010/11

Nabokow-Projekt (Harald Bergmann)

Kamera

2010

Judenburg findet Stadt
Regie, Drehbuch, Kamera

 

Welt am Draht – Bonusmaterial zu RWF-Film (Juliane Lorenz)

 

Ecstasy – Die Sehnsucht und Einsamkeit der Laura Stern (Christian Holzfuss)

2009

Rosas Höllenfahrt
Kamera

 

Nachbarschaften (Karin Pott)

2008/2009

24 h Berlin - Ein Tag im Leben
Regie

2007/2008

Tote Schwule - Lebende Lesben
Kamera

2007

Fassbinders Berlin Alexanderplatz. Ein Megafilm und seine Geschichte
Kamera

2006/2007

Meine Mütter - Spurensuche in Riga
Kamera

2005/2006

Brinkmanns Zorn
Kamera

2005

Made in Taiwan
Kamera

2004/2005

Den Tigerfrauen wachsen Flügel
Kamera

2003

Ich bin der Eiffelturm
Kamera

2003

Passion Hölderlin
Kamera

2002-2005

D´Annunzios Höhle
Kamera

2002

Pfui Rosa!
Mitwirkung

2001/2002

Deux
Kamera

2001/2002

Mon Paradis - Der Winterpalast
Regie, Drehbuch, Kamera

2001

Ein Fremder
Kamera

2000/2001

Kriegerin des Lichts
Kamera

2000

Für mich gab´s nur noch Fassbinder
Kamera

1999/2000

Die Markus Family
Regie, Drehbuch, Kamera

1998/1999

Der Einstein des Sex
Kamera

1998/1999

Gendernauts
Kamera

1998

En la casa de dios aun hay vacantes
Schnitt

1997

Life, Love & Celluloid
Kamera

1996/1997

Daily Chicken
Kamera

1996/1997

Verrückt bleiben, verliebt bleiben
Mitwirkung, Regie, Drehbuch, Kamera

1996

Stroh zu Gold
Mitwirkung

1995/1996

POUSSIÈRES D´AMOUR / ABFALLPRODUKTE DER LIEBE
Kamera

1994/1995

Out of America
Kamera

1994

Let's Talk About Sex
Kamera

1993/1994

Hey Stranger
Kamera

1993-1995

Gefährliche Orte
Regie

1993

Soldaten Soldaten
Regie, Drehbuch, Kamera

1992/1993

Female Misbehavior
Kamera

1990/1991

My Father Is Coming
Kamera

1990/1991

A Idade Maior
Kamera

1990

Malina
Kamera

1989/1990

Feuer unterm Arsch
Kamera

1989

Marocain
Regie, Drehbuch, Kamera, Produzent

1989

Annie
Kamera

1987/1988

Die Jungfrauenmaschine
Kamera, Standfotos, Produzent

1987

Anita - Tänze des Lasters
Kamera

1985/1986

Ein Virus kennt keine Moral
Kamera

1984/1985

Verführung: Die Grausame Frau
Regie, Drehbuch, Kamera, Produzent

1984-1986

Der Rosenkönig
Darsteller, Kamera

1983/1984

Horror Vacui
Kamera

1983/1984

Mikado
Regie-Assistenz

1983

Böse zu sein ist auch ein Beweis von Gefühl
Kamera

1983

Bondage
Kamera

1982/1983

Okiana
Beratung

1982/1983

Die blaue Distanz
Regie, Drehbuch, Kamera, Ausstattung, Produzent

1982/1983

Das Frühstück der Hyäne
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Produzent

1981/1982

Macumba
Regie, Drehbuch, Kamera, Produzent

1981/1982

Im Jahr der Schlange
Kamera

1981-1983

Canale Grande
Darsteller, Kamera, Maske

1980

Apocalypso
Regie, Produzent

1979/1980

Palermo oder Wolfsburg
Standfotos

1979/1980

Was soll'n wir denn machen ohne den Tod
Mitwirkung, Sprecher, Regie, Drehbuch, Interviews, Kamera, Licht, Schnitt, Produzent, Aufnahmeleitung

1979-1985

Die Basis des Make-Up

1979

Execution. A Study of Mary
Regie, Regie (Sonstiges), Regie-Assistenz, Drehbuch, Kamera, Standfotos, Schnitt, Produzent

1977/1978

Ich denke oft an Hawaii
Regie, Drehbuch, Kamera, Ausstattung, Requisite, Kostüme, Maske, Schnitt, Ton, Produzent, Co-Produzent, Produktionsleitung

1971/1972

Leidenschaften
Kamera, Kostüme, Maske, Ton

1971

Salome
Maske

1970

Charisma. Eine Erinnerung an den Tod
Regie, Drehbuch, Kamera, Kostüme

 

 

Literatur

 

Elfi Mikesch: Traum der Dinge. Photographien 1967 – 2003. Vorwort von Werner Schroeter,

Martin Schmitz Verlag, Berlin

 

elfi-mikesch.com

www.filmportal.de