II.BERLINER MUSIK-FILM-MARATHON 10.-24. April 2012

 

Ulrich Rützel  (als Produzent und Komponist auch Ulli A. Rützel)

                         Musikproduzent & Musikverleger

                         Gründer der Musiklabels Erdenklang und CCn’C

                         Mitbegründer der Ars Electronica in Linz/Österreich

 

Geb. 25.10.1944 in Gelsenkirchen-Buer. In den 60er Jahren zunächst als Jazzpianist tätig. Er wurde rasch für seine übergreifenden Improvisationen mit Themen der zeitgenössischen Musik sowie des Free Jazz bekannt.

Im Januar 1972 übernahm er als Produktmanager der „BASF Musikproduktion“ in Hamburg das Krautrock-Label Pilz (Reihentitel: „Neue deutsche Volksmusik“ – „Kosmische Kuriere“ etc., Rolf Ulrich Kaiser) und das renommierte Jazzlabel MPS.

1974 wechselte Ulrich Rützel zur Phonogram. Hier betreute er Labels wie Charisma (u.a. mit Peter Gabriel), 20th Century (u. a. mit Barry White).

Seine musikalische Vergangenheit führte ihn bald zur einer Aufgabenerweiterung als Staffproducer der Hamburger Phonogram – einerseits für den Schlagernachwuchs, andererseits aber auch für den Jazz, beispielsweise mit vielbeachteten Produktionen des US-Saxofonisten Bobby Stern, des deutschen Jazzgitarristen Toto Blanke, des Pianisten Jasper van’t Hoff und Chris Hinze u.a.

Mitte der 70er Jahre produzierte er dann mit dem österreichischen Musiker Hubert Bognermayr und seiner Symphonic-Rock-Gruppe Eela Craig im Auftrag der Phonogram die drei für die Fortentwicklung der elektronischen Musik bedeutsamen LPs ´One Niter´, ´Hats of Glass´ und ´Missa Universalis´.

Die ausserordentlich erfolgreiche Aufführung der ´Missa Universalis´ 1978 beim Brucknerfest in Linz ebnete den Weg für die Gründung der „Ars Electronica“ in Linz, zu dessen Gründung Hubert Bognermayr und Ulrich Rützel wesentlich beitrugen. In den Jahren 1979 und 1980 verantworteten sie sowohl große Teile des Programms als auch die weltweite PR. Beim ´Grand Price Of Ars Electronica´ wurde bereits 1979 der von Peter Vogel in Australien entwickelte ´Fairlight Musikcomputer´ vorgestellt. Dieses Rechensystem brachte die Sampling Methode hervor. Diese läutete die bis heute folgenreichste Evolution in der Musikproduktion ein.

Im Januar 1982 erschien dann auf dem eigens für diese Art von Musik von Ulrich Rützel in Hamburg gegründeten Erdenklang Label und Verlag das Album ´Erdenklang Computerakustische Klangsinfonie´. Es war der erste verfügbare Tonträger mit der Produktionstechnologie des Fairlight Computers und mithin der Samplingmethode sowie der einprogrammierten Partitur. In ihren Linernotes zu diesem Album vermerkte Wendy Carlos: „Erdenklang darf nicht mehr ausschließlich als technische, sondern muss weitgehend als musikalische Errungenschaft betrachtet werden. Etwas, worum die elektronische Musik, seit es sie gibt, kämpft.“

Bognermayr und Rützel prägten für diese Musikgattung den Begriff ´Computerakustische Musik´. Die 1983 erschienene ´Bergpredigt – Oratorium für Musikcomputer und Stimmen´ verfestigte diese musikhistorische Entwicklung und stellt bis heute ein Meilenstein in der Computermusik dar. (Siehe auch: ´Die 100 besten Rock- und Pop LPs´ – Veronica Matho, 1987 Ullstein Buch Nr. 36537, S. 24)

Rützel öffnete sein nur anfangs Technologie-zentriertes Labelprogramm bald zu einer Synthese mit globalen Musikströmungen: Eine ´CrossCulture´-Musik entstand, die einerseits fast immer auch etwas mit Elektronik zu tun hatte, aber andererseits aus dem Reichtum der Klassik, des Jazz, des Folk- und ethnischer sowie der mittelalterlichen Musik schöpfte. Die erfolgreichsten Aufnahmen auf dem Erdenklang-Label waren die mit Bognermayr/Zuschrader bzw. später deren Blue Chip Orchestra, mit Johannes Schmoelling (ex Tangerine Dream), mit der Gruppe Tri Atma, mit Bernward Koch, Erlend Krauser, Michael Hoppé, Irén Lovász, Kirile Loo, die Produktionen mit dem Ensemble ´Vox´ (Vladimir Ivanoff – Sarband), die erstmalig Elektronik und mittelalterliche Musik zusammenbrachten. In diese Zeit fielen auch die drei entscheidenden Schallplatten-Veröffentlichungen des Trautonium-Erbauers und –spielers Oskar Sala.

Auf seinem 1998 gegründeten Label CCn’C (Classical, CrossCulture and Contemporary Music) findet man - teilweise auch mit Schallplattenpreisen versehene - Aufnahmen mit Kristjan Järvi und seinem Absolute Ensemble, dem Turtle Island String Quartet, Lee Johnson, Tatiana Grindenko mit dem Ensemble Opus Posth., dem Hulu Project, das Gesangsensemble Amanda u.v.m.

Nach einer schweren Krankheit und unter wirtschaftlichem Druck der Branchenkrise verkaufte Ulrich Rützel im Oktober 2005 seine Labels und Verlage an DA MUSIC in Diepholz. Für die Labels ´Erdenklang´ und ´CCn’C´ ist Ulrich Rützel weiterhin als Produzent tätig. Darüber hinaus widmet er sich eigenen, vornehmlich audiovisuellen künstlerischen Projekten.

 

www.ulli-ruetzel.com